Musas (a) Mutter und die Stärke, loszulassen

Ich liebe die Geschichte von Musa, denn darin finden sich so viele wertvolle und wichtige Lektionen.
Zum Beispiel, als Allah seiner Mutter eingab, ihn zum Schutz vor Fir'aun in den Fluss zu legen.

 

„Und wir gaben der Mutter von Musa ein: "Stille ihn; und wenn du für ihn fürchtest, dann setzte ihn in das Wasser und fürchte dich nicht und betrübe dich nicht; denn Wir werden ihn dir wiedergeben und ihn zu einem Gesandten machen." (28:7)

 

Man kann sich vorstellen, was es für eine Mutter bedeutet, das eigene Kind, noch dazu einen Säugling, wegzugeben. Und nicht nur das. Ihn in einen Fluss zu legen, ohne zu wissen, wohin er treiben wird. Ob man ihn jemals widersehen wird. Ob er überleben wird. Musas (a) Mutter hatte einen starken Glauben und Gottvertrauen, sonst wäre sie dazu nicht in der Lage gewesen. Aber dennoch ließ sie diese Tat nicht unberührt.

 

Allah sagt über sie:

„und das Herz von Musas Mutter wurde leer. Fast hätte sie ihr Geheimnis preisgegeben, wenn Wir nicht ihr Herz gestärkt hätten, damit sie am Glauben festhielte.“ (28:10)

 

Als sie am Ufer stand, und dem Korb mit ihrem Kind hinterher sah, überwältigte sie ihre Trauer. Vielleicht zweifelte sie, vielleicht bereute sie. Sie wollte dem Korb hinterhereilen und ihr Kind zurückholen. Aber das hätte bedeutet, Fi'raun und seine Leute hätten erfahren, dass dieses Kind dem Volk Israels entstammt, und somit hätten sie Musa (a), wie alle anderen männlichen Neugeborenen, ermordet. Es war Allah, der ihr Herz stärkte und sie zurückhielt. In Schmerz und Trauer, aber mit Geduld. Sie wusste noch nicht, was wir wissen. Nämlich, dass sie mit Musa (a) als seine „Amme“ wieder zusammengeführt werden würde.

 

Er sagt:

„dann gaben wir ihn seiner Mutter zurück, damit ihr Auge mit Freude erfüllt würde und nicht mehr traurig sei, und damit sie wüsste, dass Allahs Versprechen wahr ist. Jedoch die meisten von ihnen wissen es nicht.“ (28:13)

 

Dieser Abschnitt ist so gewaltig. Allah sorgt sich micht nur um das Leben von Musa (a), sondern auch um die Gefühle seiner Mutter. Ihre Trauer und ihr Schmerz waren nicht bedeutungslos, und Er ließ diese Gefühle nicht unbeachtet. Allah beantwortete sie nicht nur, sondern machte sie sogar Teil Seiner Offenbarung. Der Schmerz einer Mutter – für immer erhalten in Seinen ewigen Worten, als Lehre und Erinnerung an uns alle.

 

Siehst du, wie Allah sich um die Angelegenheiten derer sorgt, die Ihn lieben? Er rettet ihr Leben, Er löst ihre Probleme, Er heilt ihre Wunden, Er lindert die Trauer, Er füllt die leeren Herzen mit Glauben und Hoffnung.

 

Allahs Versprechen ist wahr. Er hat auch dir Versprechen gegeben. Er hat dir versprochen, deine Sünden zu vergeben, wenn du bereust. Er hat dir versprochen, deine Bitten zu beantworten, wenn du ihn rufst. Er hat dir versprochen, dich zu versorgen, von woraus du nicht damit rechnest, wenn du Ihn fürchtest. Er hat dir versprochen, einen Ausweg zu schaffen, den du nie erwartet hättest. Sein Buch ist voll von Seinen Versprechen an dich.

 

„Und wer sich auf Allah verlässt, dem ist Er sein Genüge“ (65:3)

 

Der Glauben von Musas (a) Mutter war stark genug, ihr geliebtes Kind in den Fluss zu legen. Wir zögern jedoch sogar, unsere Probleme ziehen zu lassen. Wir fürchten einen schlimmen Ausgang, wenn wir sie freigeben. Wir denken, es liegt allein in uns, die Lösung zu finden, die wir noch nicht sehen. Und so halten wir fest an ihnen, mit unseren verkrampften Händen, unfähig, loszulassen.

Wir sind so auf das Problem fokussiert, dass wir vergessen, wo unsere Lösung liegt.


Was würde geschehen, wenn wir unsere Sorgen in einen Korb legen und auf dem Fluss ziehen lassen würden? Wir fürchten, dass wir die Kontrolle verlieren könnten, dabei besaßen wir sie noch nie. Wir denken, dass wir stets etwas TUN müssen, obwohl wir oft nicht wissen, was das Beste wäre. Wenn du deine Angelegenheiten Allah übergibst, wird Er dir deinen Korb zurückgeben. Aber die Situation wird nicht die gleiche sein wie zuvor.

 

Das Loslassen ist schwer. Vielleicht hilft dir ein Bild. Stell dir vor, wie du am Ufer stehst. Wie du deine Sorgen in einen Korb legst. Dann stößt du ihn an. Er fährt los. Wenn du den Drang verspürst, den Korb wieder zurück zu holen, bitte Allah, dich zu festigen, und dein leeres Herz mit Hoffnung zu füllen. Er gleitet das Wasser hinunter. Weiter. Bis dein Blick ihm nicht mehr folgen kann. Und dort, im Verborgenen, wird das Versprechen von Allah zu deiner Wahrheit. Er füllt den Korb mit dem, was am Besten für dich ist, und schickt ihn zurück in deine Hände.