Endlich

Jetzt bist du da. Endlich. Angekommen in der Stille und Einsamkeit des Abends, dem Hafen der Mütter, den du seit Stunden herbeigesehnt hast. Deine Gedanken noch aufgewirbelt von dem Durcheinander des Schlussakkords, dein Körper: eine Erschöpfung. Du räumst noch Kleidungsreste beiseite, Schuhe, Stifte, Spielzeug, Bücher, wischst über Tische und Teller, drückst einige Knöpfe und schließt ein paar Türen während dein Geist sich langsam erholt, aber nicht dein Körper.

 

Endlich.

 

Nicht mehr reden. Keine Fragen. Keine Bitten. Niemand, der deinen Namen ruft. Niemand, der dich braucht.

 

Am liebsten würdest du jetzt liegen, Tee trinken und die gute Schokolade essen, deren Versteck niemand kennt außer dir. Ein paar sinnlose YouTube Clips ansehen, durch Facebook klicken, bis die Müdigkeit unerträglich wird.

Aber dann erinnerst du dich: Du hast noch Träume und Ziele, die nicht leicht erschwinglich sind. Also nimmst du deine Bücher, machst Notizen, schreibst ein paar Seiten, bist plötzlich wieder hellwach und motiviert, aber schnell werden Sätze zu Wörtern …, zu Buchstaben … – dann geht nichts mehr. Du schleichst dich zu deinem Bett wie ein Dieb, steigst vorsichtig über liegen gebliebene Verantwortungen, bedacht, niemanden zu wecken, der dich rufen und brauchen könnte.

 

Nun liegst du in der Stille, endlich, und fühlst die Schmerzen der Erschöpfung und des Versagens.  In der Ruhe wünschst du dir, du hättest mehr getan, dich mehr angestrengt, deine Geduld nicht verloren, deine Aufgaben besser erledigt, deine Verantwortung besser erfüllt.

 

Morgen.

 

Du lauschst noch ein wenig der Symphonie ihres Atems und weißt – trotz allem – hast du viel gegeben. Sie ruhen in den Früchten deiner Anstrengung, den  Kleidern, die du ihnen wäscht, in den Betten, die du ihnen beziehst, in den Zimmern, die du ihnen putzt, mit deinem Essen in ihren Bäuchen und sauberen Zähnen, an die du sie erinnerst.

Die Ruhe breitet sich langsam auch in deinen Gedanken aus.

Erschöpfung. Erschöpfung. Zufriedenheit. Dankbarkeit.

Ihr Atmen in der Stille.

 

Morgen.

 

Ein neuer Tag.

Kleine Hände in deinen.

Reden. Antworten. Helfen. Trösten. Schlichten. Erklären. Dein Name wird wieder gerufen.

Ein wenig dann auch wieder du, deine Wünsche und Träume.

Bis zum Ziel, eines Tages, inshaAllah.

 

Und dann endlich.

 

Ruhe.