10 Gründe, warum Paare sich streiten...

 

… die nichts mit „dem Problem“ zu tun haben. Und die nicht so absurd sind, wie sie erscheinen.

 

1)     Sie sind müde, erschöpft, hungrig, gestresst oder ähnliches

 

Und wenn der Streit besonders eskaliert oder irrational verlaufen soll, schieben sie ihre Müdigkeit, Erschöpfung, Hunger, Stress oder ähnliches auf ihren Partner. Dieses Phänomen ist zurecht auf dem ersten Platz. Man sollte nicht diskutieren, wenn man sehr müde, hungrig oder anderweitig gestresst ist. Schlafen zu gehen, obwohl „das Problem“ nicht gelöst ist, ist manchmal das Beste, was man tun kann, um eine Eskalation zu vermeiden.

 

 

 

2)     Ablehnung eines Annäherungsversuchs

 

Die Art und Weise, wie Paare aufeinander eingehen, ist viel wichtiger, als das Thema, über das sie sprechen oder streiten (Vgl. John Gottman). Annäherungsversuche können sehr unterschiedliche Formen haben, und sind oft (aufgrund der Angst vor Ablehnung) sehr subtil. Es kann ein Blick sein, ein Kommentar, eine Frage, eine Berührung… Der andere kann diesen Annäherungsversuch annehmen, indem er darauf eingeht, ihn ignorieren, oder gar ablehnen. In letzteren beiden Fällen fühlt der andere sich abgewiesen, was dazu führen kann, dass er in die Konfrontation mit seinem Partner geht.

 

 

 

 

3)     Rache einer vergangenen Verletzung

 

"Der unbewusste Zwang, verdrängte Verletzungen zu rächen, ist stärker als jede Vernunft." (Alice Miller). Verletzte Menschen sind gefährlich. Es kann sich dabei um eine oberflächliche, frische Wunde, oder eine tiefe, lang zurückliegende Verletzung handeln, sie kann vom Partner selbst stammen, oder von anderen Personen. Verletzte Menschen verletzen andere. Es sei denn, sie lernen, ihre Wunden frühzeitig zu versorgen, damit sie heilen können.      

 

 

 

4)     Nichterfüllung einer Erwartung

 

Kaum etwas macht uns so wütend, als wenn wir etwas hoffen oder erwarten, was dann nicht so eintrifft, wie wir es gerne hätten. Wütende Menschen sind Menschen, deren Hoffnungen zerstört wurden.

 

 

 

5)     Suche nach Abwechslung

 

Es gibt nichts Aufregenderes, als das erste Zusammenkommen eines Paares. Leider ist dies ein einmaliges Erlebnis, dass sich nicht wiederholen lässt. Es sei denn, in etwas verminderter Form, z.B. wenn man eine Zeitlang getrennt war. Oder sich gestritten hat, und wieder versöhnt…

 

 

 

6)     Meinungsverschiedenheiten ertragen

 

Viele Menschen sind der Meinung, dass man immer der gleichen Meinung sein sollte, um gut miteinander auszukommen (und natürlich ist das *ihre* Meinung). Tatsächlich ist eine Beziehung umso stabiler, je besser man mit solchen unvermeidlichen Unterschieden umgehen kann. (In Anbetracht der Tatsache, wie viele Menschen nicht einmal über Meinungsverschiedenheiten, die sie mit völlig Fremden im Internet haben, hinwegkommen, ohne zu beleidigen und unsachlich zu werden, wird dieser Punkt immer wichtiger).

 

 

 

7)     Mangelnde Verletzlichkeit

 

Wenn die Partner Ängste haben, sich verletzlich miteinander zu zeigen, kommt viel zu oft nur die starke, taffe, unverletzliche Seite zum Vorschein. Diese lädt geradezu dazu ein, mit einer genauso starken, taffen und unverletzlichen Erscheinung zu antworten. Die Aufrüstung schaukelt sich hoch…

 

 

8)     Unrealistische Erwartungen

 

Hier gibt es zu viele, um sie alle zu nennen. Aber ein Klassiker ist die „romantische“ Vorstellung „Wenn er/sie mich lieben/respektieren würde, dann wüsste er/sie auch ohne dass ich es sagen muss…“ oder „…dann würde er/sie (oder würde nicht)“… Kein Mensch kann Gedanken lesen. Erwartungen sind unterschiedlich. Liebe/Respekt zeigt sich unterschiedlich. Ein Verhalten, das mir nicht gefällt, ist zunächst nur, was es ist: Ein Verhalten, das mir nicht gefällt. Nicht zwangsläufig der „Beweis“ für mangelnden Respekt, Liebe oder Charakterschwächen.

 

 

 

9)     Missverständnisse

 

Dieser Punkt ist selbsterklärend, wird aber oft außer Acht gelassen. Nur, weil für mich eine Sache völlig klar und unmissverständlich ist, heißt es noch nicht, dass es für andere genauso ist. Zuhören, ausreden lassen, nachfragen. Und bevor man sich selbst auf 180 bringt, lieber nochmals nachhaken, ob man den anderen wirklich richtig verstanden hat.

 

 

 

10)  Angst

 

Die Bindung zu einem nahestehenden Menschen ist so wichtig für uns, dass alles, was auf eine mögliche Störung dieser Bindung hindeuten könnte, Ängste auslösen kann. Diese Ängste können mitunter panikartige Ausmaße annehmen, und nach außen hin wie Wut und Aggression wirken. Dabei will das Verhalten sagen: „Ich habe gerade eine unheimliche Angst, die Verbindung zu dir zu verlieren, will eigentlich Nähe, aber bin so außer mir, dass ich mir dabei selbst im Weg stehe.“